Sachverständiger Faßbender

Rostgefahr an Zaunanlagen

Schadensbild

Im vorliegenden Fall handelte es sich um eine Zaunanlage, welche auf einer Dachterrasse errichtet wurde. Die Zaunanlage bestand aus Pfosten und Zwischengeschraubten Elementen aus feuerverzinktem Stahl, mit senkrecht angeschraubten Holzfüllungen. Die ganze Anlage war im Zuge einer Dachbegrünung durch ein GALABAU – Unternehmen errichtet worden. Auf der Dachfläche selber waren Schutzmatten aus Gummigranulat verlegt worden, auf welchen wiederum Kunststoff – Trageelemente mit feuerverzinkten Haltekonstruktionen zur Aufnahme der Zaunelementekonstruktion vorgesehen. Die Anlage war teilweise errichtet, also noch ohne Schädigungen. Ein vom Kunden für die baubegleitende Qualitätssicherung beauftragter Mitarbeiter bezweifelte, dass alles ordnungsgemäß errichtet war, und beauftragte mich mit einer ganzheitlichen Begutachtung der Anlage. So wurde festgestellt, dass die Zaunanlage nicht den einschlägigen Vorgaben und den allgemeinen anerkannten Regeln der Technik errichtet war. Ein Rostbefall und hohe Kosten für die Instandsetzung wären die Folge gewesen.

Schadensursache

Zum einen war die Schraubverbindung der einzelnen Zaunelemente untereinander nicht aus Edelstahl. Sowohl die Hutmuttern, als auch die Gewindestifte und Unterlegscheiben waren in galvanisch verzinkter Ausführung verwendet worden. Die Gewindestifte waren, aus galvanisch verzinkten Gewindestangen mit Lagerlänge von 1,0 m, vor Ort zugeschnitten worden Die Distanz-rohre waren aus feuerverzinkten Lagerlängen zugeschnitten. Hierdurch fehlte die Feuerverzinkung auf den Schnittflächen. Die Rohrabschnitte mit ihren ungeschützten Schnittflächen waren ohne weitere Oberflächenbehandlung zwischen den senkrechten Pfosten verschraubt.
Als Befestigung auf den feuerverzinkten, vorgefertigten Haltekonstruktionen hatte der Errichter ebenfalls galvanisch verzinkte Schrauben und Unterlegscheiben zum Einsatz gebracht.
In den allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassungen der einzelnen Schrauben, ist deren Anwendungsbereich klar festgelegt. So dürfen galvanisch verzinkte Schrauben nur in unbedeutenden und gering belasteten Umgebungsbedingungen nach Klasse C1 und C2 der Korrosivitätskategorie der DIN 12944-2 [ 1 ] zur Anwendung kommen. Sobald eine Anwendung im Außenbereich erfolgt, ist mindestens die Werkstoffgruppe Edelstahl V2A bzw. bei gerbsäurehaltigen Hölzern, in Meeresnähe etc., Schrauben aus höherwertigen Werkstoffen verwendet werden. Die Verwendung von feuerverzinkten Stahlbauschrauben ist selbstverständlich ebenso zugelassen.
Des Weiteren waren Unterlegbleche unter den Pfosten aus bandverzinkten Blechen hergestellt und die Schnittkanten waren unbehandelt. Im Außenbereich sind jedoch nur feuerverzinkte Bleche zu verwenden, welche umlaufend, und nach dem Schneiden verzinkt worden sind. Hier ist wegen der Flexibilität die Anwendung von Edelstahlblechen in V2A oder V4A ( je nach Korrosivitätskategorie, siehe DIN 12944-2 [ 1 ] ) zu empfehlen.
Bei den Fußplatten der Zaunanlage wurde zudem sachverständigenseits festgestellt, dass die Langlöcher zu breit ausgeführt waren. So ist ein bei runden Löchern ein Lochspiel von 1 mm erlaubt, bei ovalen Löchern 2 mm. Mit der Schieblehre wurden 12,5 mm bei der fertig verzinkten Platte gemessen. Das Fertigungsmaß betrug 13,0 mm. Auch hier wurden galvanisch verzinkte Schrauben eingesetzt. Zudem hatte der ausführende Betrieb nicht zur Schraube gehörige Unterlegscheiben verwendet.

Instandsetzung

Um die Instandsetzung ordnungsgemäß auszuführen, wurden sämtliche Schraubverbindungen und Abstandrohre gegen Schrauben, Muttern und Gewindestifte aus Edelstahl, und wegen der Industrieatmosphäre in V4A ausgetauscht. Die Schrauben der Fußplatten tauschte der Betrieb gegen feuerverzinkte Stahlbauschrauben aus und ersetzte die verzinkten Unterlegbeche gegen Edelstahlbleche aus.

Schadensvermeidung

Auch hier ist die vorausschauende Planung ein entscheidender Faktor. Stellt man solche Zaunanlagen auf, so sind die Umgebungsbedingungen genau zu beachten. Schraubverbindungen bedürfen ebenso wie Befestigungen am Bauwerk und Verdübelungen einer sorgfältigen Planung.

 

Korrosivitäts-kategorie Beispiele für typische Umgebungen
Innen Aussen
C1 (unbedeutend) Geheizte Räume mit neutralen Atmosphären, z.B. Büros, Läden, Schulen, Hotels.
C2 (gering) Ungeheizte Gebäude, wo Kondensation auftreten kann, z.B. Lager, Sporthallen. Atmosphären mit geringer Verunreinigung, meistens ländliche Bereiche.
C3 (mässig) Produktionsräume mit hoher Feuchte und etwas Luftverunreini- gung, z.B. Anlagen zur Lebensmittelherstellung, Wäschereien, Brauereien, Molkereien. Stadt- und Industrieatmosphäre, mässige Verunreinigung durch Schwefeldioxid. Küstenbereiche mit geringer Salzbelastung.
C4 (stark) Produktionsräume mit hoher Feuchte und etwas Luftverunreini- gung, z.B. Anlagen zur Lebensmittelherstellung, Wäschereien, Brauereien, Molkereien. Stadt- und Industrieatmosphäre, mässige Verunreinigung durch Schwefeldioxid. Küstenbereiche mit geringer Salzbelastung.
C5-I (sehr stark, Industrie) Gebäude und Bereiche mit nahezu ständiger Kondensation und starker Verunreinigung. Industrielle Bereiche mit hoher Feuchte und aggressiver Atmosphäre.
C5-M (sehr stark, Meer) Gebäude oder Bereiche mit nahezu ständiger Kondensation und mit starker Verunreinigung. Küsten- und Offshorebereiche mit hoher Salzbelastung.
Im1 (Süsswasser) Bauten, welche sich im Süsswasser befinden wie Flussbauten oder Wasserkaftwerke.
Im2 (Meer- oder Brackwasser) Bauten, welche sich im Meer- oder Brackwasser befinden. Z.B. Hafenbereiche mit Stahlbauten wie Schleusentore, Staustufen, Molen oder Offshore-Anlagen.
Im3 (Erdreich) Bauten im Erdbereich wie Behälter, Stahlspundwände, Stahlrohre.